Zur Ehre der Eltern – Eine Rede zum Wochenstart

Eines der Gebote, welches sich die Pionierorganisation und mind. die christliche Religion teilen, ist die Achtung, die Ehrfurcht vor den Eltern. „Du sollst Vater und Mutter ehren“ heißt es im Buch der Bücher. Doch wie so oft gilt es hier nicht nur die Worte zu lesen, zu hören, sondern sie auch umzusetzen. Gerade da wird es für die (meisten) Kinder wohl schwierig werden, denn fragen wir uns ehrlich selbst: Tun wir das auch? Können wir unseren Eltern die Achtung geben, die so scheinbar einfach gefordert wird?

Versetzen wir uns in den Standpunkt eines Kindes, das gerade am spielen ist, wenn sich die Sonne zum Untergehen bereit macht. Es wird bald gerufen werden, sich fertig zu machen ins Bett zu gehen. Gerade wenn es am schönsten ist verlangen die Eltern, dies zu beenden. Wir Erwachsene wissen, dass der Mensch ein gesundes Maß an Schlaf und Erholung bracht, egal wie schön das ist was er gerade macht.

Versetzen wir uns in den Standpunkt eines Jugendlichen, der nach Hause kommt, genug von der Schule hat und am liebsten mit seiner neuen, nun endlich entfachten Liebe den Abend verbringen will. Irgendwo weggehen, nicht zu Hause bleiben wenn die Eltern mal wieder nerven. Sie fordern Arbeit an den Hausaufgaben, wo man doch schon den Tag über in der Schule war! Sie fordern Arbeit daheim, wo sie es doch immer besser können. Und sie fordern um eine bestimmte Zeit daheim zu sein und nichts zu trinken. Wir Erwachsene wissen, dass es nicht nur gilt genügend Schlaf zu haben, sondern auch mit Vorsicht zu genießen und das wir auch neben dem Studium oder der Arbeit noch Verantwortung übernehmen müssen.

Und blicken wir auf uns heute, wie wir darauf reagieren, wenn sich unsere Eltern melden und auch heute noch immer wissen, was wir tun sollen. Fühlen wir uns dann auch noch „wie Kinder“ behandelt, obwohl wir schon (mehr oder weniger) lange Erwachsen sind? Wie können wir die Eltern in solchen Momenten achten? Ja, auch Eltern müssen irgendwann einsehen, dass Kinder erwachsen werden und Individuen sind, die Ihren eigenen Weg gehen. Sogar gehen müssen. Aber das ist nicht einfach und wir sollten stets daran denken, dass wir als Erwachsene auch immer noch Kinder sind. Wir sind immer die Kinder unserer Eltern, die sich – bei dem Einen mehr, als bei dem Anderen – um uns kümmern, das Beste für uns wollen. Das ist für die meisten nur schwer zu verstehen und es werden viele wohl erst dann begreifen, wenn sie selbst Mutter oder Vater geworden sind. Erst wenn sie selbst ihr eigenes Kind in den Armen halten, können sie wie ihre Eltern empfinden und im folgenden das schöne Spiel beenden, fordern pünktlich zu Hause zu sein und auch immer noch Tipps geben, obwohl der Nachwuchs sein Leben schon längst im Griff hat. Erst wenn wir die Leistung der Erziehung erkennen und begreifen, können wir den Eltern unserer Republik, ja der ganzen Welt unsere Achtung entgegenbringen und sie eben für ihre Elternschaft ehren.

Zugegeben, es wird schwer das auch bei denen zu tun, die ihren Kindern weh getan haben, sei es seelisch oder auch physisch. Simpel zu fordern, auch deren Kinder sollen Ihre Eltern achten, schließlich haben diesen ihnen das Leben gegeben, wäre eine Anmaßung gegenüber diesen Menschen und verkennt, was eben diese durchgemacht haben. Ja, Eltern sind immer Eltern, aber Ehre und Verzeihen kann nicht gefordert werden, es muss aus der freien Entscheidung der Person selbst kommen. Dieser Raum muss immer gewährt werden, denn nur dadurch achtet man diesem Menschen selbst und nur dadurch kann auch er anderen Menschen Achtung erbringen. Mit diesem Überlegungen sei allen Müttern, Vätern und den Kindern ein guter Start in eine, in diese neue Woche vergönnt.

Genosse Ignaf Ignafowitch

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